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Eis essen am Trang Tien
von Linh Dinh Thuy Ein fuer mich ueberraschender neuer Eindruck: Das Eis essen am Trang Tien!!! Es scheint hier Kult zu sein, aber fuer mich war das was ganz Neues. Man muss es sich so vorstellen: Eine Halle, wo Motorraeder reinkommen, abgesstellt werden, grosse Menge sich am Eisstand draengeln, um schnell an ihr Eis am Stiel oder an ihr Waffeleis zu kommen, dann auf den Mopeds sitzend Eis essen. Ich stand in der Menge, mit so um die 50 Motorraeder, mit Besitzern, seien es Paare, Eltern mit Kindern, oder Freunden, alle stehen neben ihren Motorraedern oder sitzen seitlich drauf und geniessen ihr Eis, welches sie aber in Windeseile aufessen, denn ueblich ist nicht das schlecken und lecken am Eis, sondern es wird genuesslich reingebissen. Mmhhhh... Das ist echt Kult, denn im Restaurant nebenan ist der “Saal” voellig leer. Es scheint ein Geheimtipp fuer Hanoier zu sein.
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Montag, 20. März 2006
Eine Kultur über den Umweg einer anderen Kultur kennen lernen und verstehen
von Tina Reinhardt
Während unseres Besuchs der Open University in der zweiten und dritten Woche unseres Freiwilligendienstes habe ich einen sehr freundlichen, offenen und charismatischen Lehrer kennen gelernt, mit dem ich mich bald darauf anfreundete. Allerdings ist Majo George – wie man schon am Namen erkennt – kein Vietnamese, aber auch kein Westler, dessen Kultur meiner eigenen wahrscheinlich viel zu ähnlich wäre um mir neu zu erscheinen. Majo ist Inder, Lehrer für Wirtschaftsrecht (aber seine Stunde war wegen des sich dröge anhörenden Fachs trotzdem nicht langweilig oder unverständlich) und arbeitet nur Teilzeit in der Universität, außerdem ist er noch Management-Berater einer Hanoier Firma… ein sehr beschäftigter Mensch, könnte man vermuten, der am Ende des Tages ausgebrannt ist. Aber weit gefehlt! Als ich mich das erste Mal außerhalb der Universität treffe und wir eine mir noch unbekannte Spezialität Hanois essen gehen ( Kem Xôi ist Eis auf süßem Klebreis), werde ich gleich ein bisschen herumgeführt, wir besuchen im strömenden Regen (naja, halt etwas mehr Nieselregen als sonst, denn in Hanoi gibt’s keinen ordentlichen deutschen Platzregen, meine Hose war hinterher trotzdem richtig durchweicht und dreckig) die Wachablösung und Fahnenübergabe am Mausoleum, die jeden Abend unter Begleitung mit patriotischer durchgeführt wird. Mir werden tausend Sachen über Hanoi und die Vietnamesen erzählt, die ich mir auf die Schnelle gar nicht merken kann und ich merke, dass Majo eine kleine Quatschtüte ohne Berührungsängste ist. Er redet und redet wie ein Wasserfall, fragt viel über Deutschland und meine ersten Erfahrungen in Vietnam, über meinen Freiwilligendienst, findet das alles erste Sahne und erklärt mir, wie man eine komische Frucht ist, die wie Milch schmeckt und deswegen Brustfrucht genannt wird. Mein erster Abend in seinem klitzekleinen Haus vergeht wie im Flug, weil der Wasserfall fast keine Pause kennt, aber so erfahre ich auch viel über andere Länder, Majos Arbeitszeit in Singapur, seine Eindrücke von Bangkok, und sehr viele Details seines eigenen Lebens. Majos Ehe wurde durch seine Eltern arrangiert, er ist damit aber voll zufrieden, liebt seine Frau und seine 5jährige Tochter sehr und freut sich schon darauf, die beiden nächsten Monat in Hanoi empfangen zu können, wenn sie wieder einige Zeit mit ihm zusammen leben. Irgendwann muss ich Majo aber gestehen, dass ich am nächsten Morgen früh aus muss, weil ich zur Kulturuniversität muss und er bietet mir gleich die Couch an. Da die Leute vom Office aber nicht erst per Telefon 2 Uhr nachts davon erfahren wollen, dass ich heute nicht im Hotel schlafe und ich auch gar nicht darauf vorbereitet bin, bringt mich Majo durch die verlassenen Straßen Hanois und wieder durch strömenden Nieselregen zurück zum Hotel, wo man froh ist, das Tor nun endlich schließen und ins Bett gehen zu können. Noch am selben Abend werde ich allerdings zu einem kleinen Ausflug in die Hauptstädte von Laos und Kambodscha eingeladen. Als ich sag, dass ich mir das gar nicht zusätzlich leisten kann, meint Majo nur „Ok, dann leih ich dir das Geld und du zahlst es mir erst zurück, wenn du selbst Geld verdienst, solange kann ich warten!“ Staunen.. und dann kommt die Erklärung, dass so etwas in Indien ganz normal sei. Ich habe deswegen trotzdem noch heute ein schlechtes Gewissen, obwohl ich das auch ständig bei den Vietnamesen erlebe: Wenn wir mit Ngọc Anh und Hà ausgehen und etwas essen oder trinken, schlägt Ngọc Anh auch ständig unsere Bitte aus auch mal bezahlen zu dürfen, weil sie eben schon Geld verdient und wir nicht. Wenn sie mit Hà allein unterwegs ist, erzählt mir Hà, dann bezahlt sie auch alles für die nicht gerade reiche Studentin, weil sie weiß, dass sie es später durch Gegeneinladungen von Hà zurückbekommen wird… Gibt es so was auch in Deutschland? Ich meine außerhalb der Familie, mit mehr oder weniger Bekannten Leuten das Geld zu teilen und einfach ein paar Jahre drauf zu warten?? Echt eine bemerkenswerte Einstellung, die mir oft die Schamesröte ins Gesicht treibt, aber hier ganz verbreitet ist und mir vielleicht sogar eine Reise in zwei andere südostasiatische Länder ermöglicht…
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Sonntag, 19. März 2006
Tourguideclub der University of Culture
von Tina Reinhardt
Sonntag ist ja eigentlich ein Tag, den ich auch in Vietnam ganz eigennützig zum Ausschlafen missbrauche… Normalerweise, zumindest. Heute aber müssen wir vergleichsweise früh raus, weil Hà uns gebeten hat einen kleinen Vortrag über den Charakter der Deutschen und über die Überraschungen, die Deutsche als Touristen im Ausland bereithalten zu halten… Ich habe daraufhin gleich einmal eine Mail nach Hause geschickt mit der Bitte um ein Feedback, was man in meiner Familie über den Zustand des Deutschen Gemüts so denkt und erhielt eine klasse Ideensammlung von meinem Bruder, die mir wirklich weitergeholfen hat!!! Ich weiß, das hier ist quasi ein Forum über unsere Erlebnisse während des Freiwilligendienstes, aber wenn die ARD schon fies Product-Placement in Marienhof betrieben hat, kann ich auch ruhig ein bisschen Stolz über die Wissensbestie Hagen Reinhardt verbreiten ;-) , finde ich zumindest! Also habe ich am Samstag einen kleinen Vortrag vorbereitet, der außerdem noch viele Infos von einer tollen Seite des Auswärtigen Amts enthielt. Die schwierigste Aufgabe stellte aber der Programmpunkt „Was muss ich als vietnamesischer Tourguide einem deutschen Gast bieten?“ dar. Was erzählt man da? Manche Deutsche haben Angst vor unbekanntem Essen, manche sind ganz versessen drauf… Manche Deutsche lieben Informationen über Informationen und würden in das tiefste Loch krabbeln um ein Stück Landesgeschichte anschauen zu können, andere lieben den Hotelurlaub, fest geplante Städtetrips und so wenig wie möglich Überraschungen… Naja, ich habe ein bisschen improvisiert und bin davon ausgegangen, was mir hier sehr wichtig ist, was mich stört und was ich als großen Unterschied zwischen der vietnamesischen und der deutschen Kultur empfinde… Und der größte Unterschied ist eindeutig der Zeitdruck der Deutschen!!! Es muss alles sofort passieren, wenn gestern bestellt, bitte heute geliefert werden und so weiter. Wir Deutschen sterben, wenn einmal der Plan geändert wird und etwas Ungeplantes oder Unvorhersehbares dazwischen kommt… Das ging mir am Anfang auch so, langsam versuche ich es abzulegen, aber es ist schwer, denn für einen Deutschen bedeutet die Einhaltung des Zeitplanes Verlässlichkeit, Sicherheit und Schutz… Es könnt ja was passieren, im Nachhinein muss ich mich über mich selbst in den ersten 2 Wochen hier amüsieren, jetzt fange ich an die Sache einfach hinzunehmen… Wenn ich für eine Woche das Essen im Hotel abbestelle, weil ich das Essen auf der Straße erleben will, dann muss das Geld halt nicht mehr am ersten Tag der Woche ausgezahlt sein, es reicht auch am 4. oder 5. Tag und ich verhungere trotzdem nicht, weil ich hier eh zu jedem zweiten Essen eingeladen werde… Und wenn man nicht die ganze Zeit auf etwas herumpocht, passiert’s mitunter auch ganz von allein und in Rekordzeit ;-) . Ok, zurück zur Universität der Kultur… ein freiwilliger Club der angehenden Tourguides ist echt eine klasse Sache, vor allem wenn wir als Besucher ein komplettes Kulturprogramm mit traditionellen Liedern, kleinen Filmen über touristische Attraktionen und kleine Vorträge über vietnamesische Besonderheiten, Spezialitäten und Sehenswürdigkeiten geboten bekommen… Da fühlt man sich mit seinem dürren Stichpunktzettel gleich ganz nackig!!! Aber was soll’s, die Studenten sehen sehr interessiert aus und hören nach meinem Eindruck auch gespannt zu. Nach meinen Ausführungen gibt es viele Wortmeldungen und Fragen, was mich sehr freut, denn ich habe immer ein bisschen Angst, dass ich zu schnell spreche und die Hälfte der Leute nicht mitkommt. Das Englisch der Vietnamesen ist nämlich vielfach noch nicht so weit. Hier scheint’s aber funktioniert zu haben und es gibt einen regen Gedankenaustausch. Später habe ich alle Lacher auf meiner Seite, als ich eine kleine, erst kürzlich erlebte Anekdote zum Besten gebe: Als ich eines Tages von der Bushaltestelle allein zum Hotel laufe, komme ich an die Ecke unserer Nebenstraße und will einbiegen. Auf der anderen Seite der Straße warten gewöhnlich Motorradfahrer, die ihre Dienste anbieten, die meisten wissen aber bereits, dass Linh und ich immer nur nach Hause wollen, wenn wir aus einer bestimmten Richtung kommen. Diesmal winkt mir deswegen nur ein Fahrer zu und ich lehne lächelnd ab. Da taucht ein kleiner Kopf zwischen den Motorrädern auf und ein höchstens 4jähriger Knirps schreit mir hinterher: „Chị ơi!!! Motorbike!!!“ und bietet damit seine Dienste an mich zu fahren. Ich komme aus dem Staunen und Lachen eigentlich gar nicht mehr raus, der Kleine lernt halt schnell, womit er später mal flottes Geld machen kann… FRÜH ÜBT SICH!!!
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Sonntag, 19. März 2006
Stoffe kaufen…
von Tina Reinhardt
Ngọc Anh ist wirklich ein knallharter Verhandlungspartner!!! Nach unserem ersten Besuch in der Hochschule für Kultur fahren wir zusammen mit Hà in eine Straße, in der ausschließlich Stoffe verkauft werden, was für den Kunden ja immer den Vorteil hat die Preise vergleichen zu können. Es ist zwar ein echter Nachteil mit einem Westler im Schlepptau ein günstiges Geschäft zu machen, aber Ngọc Anh lässt sich von meiner Anwesenheit und den kalkulierenden Blicken der Verkäuferinnen in meine Richtung nicht aus der Ruhe bringen und drückt den Preis eisern so weit nach unten, wie es nur geht. Sie erklärt ohne Umschweife, dass ich nur Studentin bin, kein Geld habe und deswegen auf die Preise achten müsse, was bestimmt ein bisschen komisch wirkt, da ich gerade Linhs Packesel spiele und ihre schon erworbenen Stoffe in einer großen Plastiktüte gut sichtbar mit mir herumtrage… Aber irgendwie schafft es unsere Business-Lady aus jedem Preis noch ein paar Prozente herauszuquetschen. Somit habe ich zum Schluss Stoff für drei Oberteile im Wert von zirka 7 Euro in der Tasche. Also auf zur Näherin! Und auch hier erweist sich unsere ortskundige Führerin als sehr hilfreich und bringt uns zu einer Bekannten, deren freundliche Ausstrahlung mich vom ersten Moment unserer Begegnung fesselt. Manchmal trifft man Leute, bei denen man schon in der ersten Sekunde spürt, dass sie gute Menschen mit einer einnehmenden Aura sind…
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Donnerstag, 16. März 2006
von Tina Reinhardt
Schneller, als man denkt… Auf dem Weg nach Phú Thọ stoppt der Konvoi vor uns plötzlich, Menschenauflauf um die Autos. Unruhiges Gemurmel, ich höre das Wort „chết“ heraus. Es sei jemand gestorben, meint Linh, die neben mir aufgewacht ist. Unser Wagen steuert langsam vorwärts und schlägt nach links ein. Polizisten tauchen im Sichtfeld auf, leiten den Verkehr um, schreiben auf Clipboards Notizen, vermessen Spuren auf dem sandigen Boden. Ein dicht gedrängtes Spalier aus schaulustigen Leibern drängt sich am Straßenrand. Da liegt ein Moped. Es sieht nicht sehr beschädigt aus, liegt nur auf der Seite. Die Redakteurin hinter mir schnalzt mit der Zunge und stöhnt. Mein Blick folgt dem ihren. Auf der Straße liegt ein Mensch. Eine leichte Bastmatte wurde über den Körper gelegt, die nackten Füße sind nicht bedeckt. Blut. Zwei Frauen kauern neben dem Leichnam am Straßenrand, die eine wiegt sich mit entrücktem Gesichtsausdruck vor und zurück, die andere weint ungehemmt und klagt, von anderen gestützt. Langsam rollt unser Wagen an dem Toten vorbei. Wenige Meter weiter parkt das Unfallauto, der Kotflügel hat etwas abbekommen, der Seitenspiegel ist abgerissen. Ein letzter Polizist ordnet die Fahrzeuge wieder ein. Das Gedröhne der Motoren ist wieder hörbar, Hupen setzt erneut ein. Normaler Verkehr. Tod zwischen Reisfeldern. Und die anderen im Bus schlafen wieder ein.
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Donnerstag, 16. März 2006
von Tina Reinhardt
Auf nach Phú Thọ! Mein toller Wecker klingelt gegen 7.00 Uhr. Eine halbe Stunde später fährt nämlich unser Kleinbus Richtung Provinz Phú Thọ ab, zu den Tempeln, die für die Geburtsstätte des vietnamesischen Volkes stehen. Also raus aus dem viel zu angenehmen Bett, nach einer viel zu kurzen Nacht. 7.30 Uhr sitzen Chi, Linh und ich auf den Stufen des Hoteleingangs und kein Bus ist da… Toll! Da bin ich einmal pünktlich und mein Kopf will eigentlich nur wieder unter die Decke und dann das… Nach 15 Minuten Wartezeit kommt der Kleinbus endlich unsere „Dorfstraße“ hoch gewackelt, den Chi hat mir erklärt, dass unbetonierte Straßen hier als solche bezeichnet werden. Als erstes fahren wir zu einem um die Ecke gelegenen Phở-Imbiss und stärken uns für ca. 2½ Stunden aufreibende Busfahrt. Ich bin eigentlich hundemüde und würde gern schlafen, aber in Kleinbussen gelingt mir das irgendwie nie. Als wir durch Việt Trì fahren, sehe ich etwas für meine vietnamesischen Augen total Ungewohntes ;-) , Ponywagen!!! Hier sind wirklich kleine Pferde vor die schwer beladenen Karren gespannt! Angekommen in Phong Châu, der Kreisstadt, zu der die Tempelanlage gehört, nehmen wir in einem zugigen Gebäude Platz, bekommen Tee ausgeschenkt und ein dynamischer, noch recht junger Mann erklärt uns eine Menge auf vietnamesisch, wahrscheinlich über die Organisation und Koordination der Aktivitäten des Jugendverbandes in dieser Provinz, schließlich ist das seine Aufgabe hier. Aber weder Chi noch Linh sind wach und willens genug die wahrscheinlich höchst aufregenden Details dieses Vortrags ausführlich zu übersetzen. Auch kein Problem, sterbe ich eben dumm! Bald bricht die Runde abrupt auf und wir fahren zum Tempelberg in der Nähe. Dort angekommen, werden wir gleich von einer Meute verkaufswütiger Menschen überfallen, die geröstetes Brot, Früchte und Opfergaben anbieten, aber unsere Redakteure führen uns vollkommen ungerührt an den Händlern vorbei auf den „Berg“ zu, der eher ein Hügel ist. Ich muss mich noch an die Tatsache gewöhnen, dass solche offiziellen Termine immer einen (wenn auch unausgesprochen) begrenzten Zeitrahmen haben, der eingehalten werden muss. Damit kam ich schon beim Besuch der staatlichen Briefmarkengesellschaft nicht klar! Und heute ist es genau die gleiche Prozedur: Wir rennen die Stufen zu den einzelnen Tempeln fast hoch, Fotos mit und Fotos ohne Volunteers. Das eigentlich wirklich interessante und liebevoll eingerichtete Museum schaffen wir in rekordverdächtigen 10 Minuten und zwischendurch kommen von unserem „Führer“, den man auch „Treiber“ nennen könnte, immer wieder Bemerkungen, ob wir nicht schon zu erschöpft sind von dem bisschen Treppensteigen und ob unsere knie nicht schon schmerzen. Der Typ hat ja keine Ahnung, dass wir schon durch die Hölle von Yên Tử gegangen sind… Nachdem wir die Tempelanlagen abgehakt haben, fahren wir zurück in den kleinen Ort und nehmen in einem separaten Raum eines kleinen Restaurants Platz. Mit uns werden noch ein paar neue Gesichter, sogar ein paar Frauen (!) essen, aber erst einmal werden 5 Wodkaflaschen auf den Tisch gestellt, und ich ahne schon, dass mir mein erstes RICHTIGES vietnamesisches Mittagessen bevorsteht ;-) ! Es gibt Spezialitäten der Region: Fisch, die ersten Froschschenkel meines Lebens, Krebssuppe und Wildschwein mit echt fettiger Kruste. Ich halte mich streng an das Gemüse und warte unter unzähligem Zuprosten und „Trăm vân Trăm!“ Aufforderungen (Auf Ex!) auf den Reis, der meinen alkoholgetränkten Magen etwas entlasten soll… Irgendwann übersetzt mir die leicht angeheiterte Linh, dass wir gehen dürfen, wenn wir noch drei volle Gläser trinken und ich meine in meiner leichtsinnigen Blödheit doch tatsächlich Ironie einsetzen zu können und sage sarkastisch: „No vấn đề!“ (Also, kein Problem!) Linh hat mir aber falsch übersetzt, denn die Vietnamesen, die sehr kreativ sind, wenn es darum geht sich einen Grund für erneutes Anstoßen auszudenken, meinten nicht drei Gläser, sondern die letzten drei noch ungeöffneten Falschen Wodka, die noch auf dem Tisch warteten. Und für diesen Fauxpas bekommt Tina natürlich prompt die Quittung, weil nun jeder Mann am Tisch denkt, er müsste meine Trinkfähigkeit testen… Und so endet der Restaurantbesuch mit einem schwirrenden Kopf im Bus auf dem Weg zum nächsten Termin in der größten Papierfabrik Vietnams, die nur wenige Minuten vom Ort des angeheiterten Geschehens entfernt liegt. Dort wird die nun insgesamt leicht beschwingte Gruppe von zwei freundlichen Mitarbeitern der Firma begrüßt, bekommt als Gastgeschenk Ledermappen und wird nach einem kurzen Vortrag über die Firmengeschichte und die Aktivitäten des firmeninternen Jugendverbandes über das Werkgelände gefahren, gescheucht, gezerrt, denn Zeit ist Geld und irgendwie haben wir keins ;-) ! Fotos, laute Werkhallen, viel Papier und Akkordarbeiter mit unglaublichem Geschick. Während der Tour halten wir auch an der firmeneigenen Aula, in der die im Jugendverband organisierten Mitarbeiter gerade ein Tanz- und Musikprogramm für den 26.03. vorbereiten. Wir erleben aus dem Zuschauerraum heraus eine nach nur drei Tagen Probezeit fast ausgereifte Show aus patriotischen Gesten, noch mehr Pathos und untopbar vielen Wiederholungen der Worte Hồ Chí Minh und Việt Nam in den eingespielten Liedtexten. Das ganze Szenario erinnert mich leicht an einen netten Abend im Hanoier Jouth Palace im letzten November (Zwinkern an die Eingeweihten!) Bald wird der Endspurt unserer Sightseeing-Tour eingeleitet und wir besuchen noch schnell eine von der Firma finanzierte Schule für die Kinder der Mitarbeiter, rennen durch ein „Gedenk-Zimmer“ mit Bildern, Miniaturansichten des Werkgeländes und Auszeichnungen, treffen und kurz mit dem Direktor der Schule und seinem Vize, der genauso erleichtert über unsere schnelle Abreise scheint, wie wir selbst bei der Aussicht endlich die Heimreise antreten zu können. Abends falle ich gegen 20.30 Uhr in mein Bett und bin kurz darauf weit weg…
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Donnerstag, 16. März 2006
von Tina Reinhardt
Es lebe Norodom!!! Auf unserem Weg durch die Straßen Hanois, im Kreisverkehr auf das Mausoleum zu, fallen mir die vielen Fahnen Kambodschas auf: Blaue Querbalken umrahmen drei majestätische Türme des großen Angkor Wat auf rotem Untergrund. Auch die Straße um Lăng Bắc ist von Wimpeln mit dem kambodschanischen Konterfei gesäumt. Chi fragt für mich die Zeitungsmitarbeiter, die mit im Bus sitzen, nach dem Grund für diesen Schmuck. So erfahre ich, dass es heute königlichen Staatsbesuch in Hanoi gibt: Der König von Kambodscha, Norodom Sihamoni (ich glaube in irgendeiner Art mit König Sihanouk verwandt, aber bitte nicht aufregen, wenn ich total daneben liege…) gibt sich die Ehre und stattet Vietnams Hauptstadt einen Besuch ab. Und was mache ich bei einem so spannenden Ereignis? Fahre in die Provinz eine Papierfabrik angucken…
Abends im Hotel beobachten Linh und ich in den Nachrichten, was wir verpasst haben: einen meilenlangen roten Teppich, viel Händeschütteln mit 1000 Funktionären, noch mehr Blumensträuße und kleine, niedlich gekleidete Mädchen, die sie überreichen. Ok, doch nicht so viel verpasst, aber am Gartentor gestanden und das freundliche Gesicht des Blaublütigen mal live gesehen hätte ich schon gerne...
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